Wettanbieter ohne Steuer: Wer die Sportwettsteuer in Deutschland 2026 selbst trägt – und wer nicht
Ladevorgang...
Wer „Wettanbieter ohne Steuer“ googelt, sucht Buchmacher, die nichts vom Einsatz oder Gewinn abziehen. In Deutschland gibt es eine ganze Branche, die genau das verspricht – und eine ebenso große, die es nicht halten kann. Wer die Sportwettensteuer schuldet, wer sie trägt und warum „0 % Wettsteuer“ trotz Werbeversprechen selten kostenlos ist: Das klärt diese Seite, ohne Werbeversprechen zu wiederholen.

Stand: Oktober 16, 2026 · Geprüft gegen die Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL).
Rechtslage: Wer schuldet die Steuer – und wer trägt sie?
Die Sportwettensteuer wird in Deutschland seit dem 1. Juli 2012 erhoben. Sie ist im Rennwett- und Lotteriegesetz (RennwLottG) geregelt und beträgt 5,3 % einer ungewöhnlichen Bemessungsgrundlage: des Spieleinsatzes ohne die Steuer selbst. Das ergibt rund 5,03 % des Betrags, den die Spielenden tatsächlich einzahlen (5,3 ÷ 105,3). Geschuldet wird sie vom Veranstalter der Wette – also vom Wettanbieter, nicht von der Person, die tippt.

Was sich daran so still und leise verschiebt: Die Steuerlast liegt beim Anbieter, die Frage, was davon bei den Spielenden ankommt, aber auch. Jeder Anbieter entscheidet selbst, ob er die Steuer
- selbst trägt – aus seiner Marge, ohne sichtbaren Abzug,
- auf die Quote umlegt – die Quote wird um den Steueranteil reduziert,
- vom Gewinn abzieht – bei gewonnener Wette werden 5 % vom Bruttogewinn einbehalten,
- beim Einsatz ausweist – die 5,3 % werden neben dem Einsatz als eigener Posten gezeigt.
„Wettanbieter ohne Steuer“ gibt es in Deutschland also nur als Werbeversprechen. Wer sie tatsächlich trägt, beschreiben die folgenden Abschnitte – und nicht jeder, der „0 % Wettsteuer“ auf die Startseite schreibt, meint dasselbe damit.
Spielerschutz: Was die Wettsteuer nicht ändert
Werbung mit „0 % Wettsteuer“ ändert nichts am Verlustrisiko. Wer das übersieht, vergisst den Mechanismus, an dem das gesamte Sicherheitsnetz hängt:

- Volljährigkeit: Teilnahme ab 18 Jahren (§ 4 Abs. 3 GlüStV).
- Ein Konto pro Anbieter: mit vollständiger Verifizierung (§ 6a). Vor der Verifizierung maximal 72 Stunden Spielzeit, 100 € Einzahlungslimit, keine Auszahlung.
- Monatliches Einzahlungslimit: 1.000 € pro Kalendermonat über alle Anbieter hinweg, technisch durchgesetzt über die zentrale Limitdatei LUGAS (§ 6c Abs. 1). Wer wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nachweist, kann individuell auf bis zu 10.000 € angehoben bekommen – Selbstauskunft reicht nicht. Senkung sofort, Anhebung frühestens nach 7 Tagen.
- Parallelspiel verboten: über die LUGAS-Aktivitätsdatei wird ausgeschlossen, dass dieselbe Person zur selben Zeit bei mehreren Anbietern spielt (§ 6h).
- OASIS-Sperrsystem: bundesweite Sperrdatei, geprüft bei Anmeldung und Login (§§ 8, 8a). Selbstsperre mindestens 3 Monate bei Nennung einer Frist, sonst mindestens 1 Jahr.
- Panikbutton: sofortige 24-Stunden-Sperre, vom Anbieter direkt ausgelöst (§ 6i Abs. 3).
- Zahlungen: nur vom eigenen Zahlungskonto bei einem Geldwäschegesetz-pflichtigen Institut, keine anonymen Mittel – das schließt Krypto und anonyme Prepaid-Karten aus dem lizenzierten Markt aus. Spielerguthaben liegt auf einem insolvenzgeschützten Treuhandkonto; bei Kontoschließung Auszahlung des Restguthabens binnen fünf Werktagen ohne Gebühr (§ 6b Abs. 6–7).
All das gilt nur für Anbieter mit deutscher Erlaubnis. Anbieter ohne deutsche Erlaubnis sind weder an OASIS noch an LUGAS angeschlossen, kennen die 1.000-€-Grenze nicht und bieten keine deutsche Rechtsdurchsetzung.
Die besten Wettanbieter ohne Steuer 2026: Vergleich der zehn lizenzierten Anbieter
Die folgende Tabelle zeigt, wie die zehn Anbieter mit deutscher Sportwetten-Erlaubnis das Steuerthema behandeln. Eine fehlende Zeile würde mehr verraten als eine ausgefüllte – deshalb die Spalten nur dort, wo die Whitelist für die meisten Einträge etwas hergibt.
| Anbieter | Whitelist-Status | Sportwetten-Erlaubnis seit |
|---|---|---|
| 888sport | gelistet – 888 Germany Limited | 30.06.2021 |
| Betano | gelistet – Betkick Sportsbetting Limited | 19.02.2021 |
| Tiptorro | gelistet – Torro Tec Limited | 30.06.2021 |
| LeoVegas | gelistet – LVSports Limited | 21.10.2024 |
| AdmiralBet | gelistet – Greentube Betting Malta Limited | 09.10.2020 |
| bpremium | gelistet – Ladbrokes (Deutschland) Limited | 09.10.2020 |
| NEO.bet | gelistet – Greenvest Betting Limited | 09.10.2020 |
| Sportingbet | gelistet – Sportingbet (Deutschland) Limited | 09.10.2020 |
| Sportwetten | gelistet – NetX Betting Limited | 19.11.2020 |
| bwin | gelistet – bwin (Deutschland) Limited | 09.10.2020 |
Alle zehn Inhaber führen eine Folgeerlaubnis aus den Jahren 2022 oder 2024 – die erste Erlaubnis läuft nach § 4c Abs. 1 GlüStV fünf Jahre, die Whitelist nennt aber kein Enddatum. Sie zeigt nur das Datum der Erteilung, und die Erlaubnis gilt so lange, wie sie nicht entzogen wird.
Was die Tabelle nicht zeigt: die Frage, die jeder Leser mitbringt. „Werden 5,3 % vom Einsatz, vom Gewinn oder von der Quote abgezogen?“ gehört zu den Bedingungen jedes einzelnen Anbieters und steht in dessen Wettregeln, nicht auf der Whitelist. Die Antwort steht im Abschnitt „Wie Anbieter die Steuer umlegen: vier Modelle in der Praxis“.
888sport
888sport wird von 888 Germany Limited betrieben, hinter der die 888 Holdings PLC in Gibraltar steht – börsennotiert in London seit September 2005. Die Whitelist führt die Seite 888sport mit einer Sportwetten-Erlaubnis seit dem 30.06.2021 und einer Folgeerlaubnis vom 15.12.2022. Wie 888sport die Wettsteuer handhabt, sagen die Wettregeln des Anbieters – auf der Whitelist steht das nicht.
Betano
Hinter Betano steht die Betkick Sportsbetting Limited in San Giljan, Malta. Die Whitelist führt die Domain Betano seit dem 19.02.2021 mit Folgeerlaubnis vom 16.12.2022. Welche der vier Wege – Selbsttragen, Quotenabschlag, Gewinnabzug oder Einsatz-Ausweis – Betano wählt, hält der Anbieter in seinen Bedingungen fest.
Tiptorro
Tiptorro läuft über die Torro Tec Limited in Malta, die Tiptorro-App im App Store beschreibt sich selbst als von der GGL beaufsichtigten Sportwettenveranstalter. Whitelist-Eintrag seit 30.06.2021, Folgeerlaubnis vom 27.12.2022. Die App gehört zum Markenkern – wer unterwegs setzt, ist hier richtig aufgehoben; für die konkrete Steuerlogik gelten die Wettregeln der App.
LeoVegas
LeoVegas gehört zur LVSports Limited, Whitelist-Eintrag seit dem 21.10.2024 – jünger als die meisten Mitbewerber. Die Marke kommt aus dem Casino-Bereich, die Sportwetten-Erlaubnis ist hier die zweite neben der Erlaubnis für virtuelle Automatenspiele seit dem 27.02.2023. Beide Erlaubnisse sind getrennte Genehmigungen mit eigenen Regeln.
AdmiralBet
Die Greentube Betting Malta Limited führt AdmiralBet, mit erster Sportwetten-Erlaubnis seit 09.10.2020 und Folgeerlaubnissen vom 13.12.2022 und 29.07.2024. Für virtuelle Automatenspiele auf slots.admiralbet.de besteht eine eigene Erlaubnis seit dem 28.09.2022. Die Marke ist in Österreich historisch stark, im deutschen Markt eine der längeren Whitelist-Adressen.
bpremium
bpremium wird von der Ladbrokes (Deutschland) Limited betrieben – Whitelist-Eintrag seit dem 09.10.2020, Folgeerlaubnis 21.12.2022. Bei Auszahlungen über Banküberweisung im SEPA-Raum fallen die regulären Inlandsgebühren der Banken an, auf die der Anbieter keinen Einfluss hat. Wer auf bpremium auszahlt, sollte mit dem normalen Banktarif rechnen.
NEO.bet
Greenvest Betting Limited, Malta, hält die Erlaubnis seit 09.10.2020 mit Folgeerlaubnis vom 22.12.2022. NEO.bet gehört zu den jüngeren Marken im deutschen Markt, mit einer Lizenz, die vor dem GlüStV 2021 startete und seither verlängert wurde.
Sportingbet
Sportingbet (Deutschland) Limited, Whitelist seit 09.10.2020, Folgeerlaubnis 21.12.2022. In den Wettregeln nennt Sportingbet eine Steuer von „5 % des Wetteinsatzes“ nach § 17 RennwLottG und behält bei gewonnenen Wetten 5 % vom Bruttogewinn (Einsatz × Quote) ein. Damit ist die Stoßrichtung klar: Abzug im Gewinnfall, Einsatz bleibt unangetastet. Die gerundete 5 %-Angabe ist die unternehmerische Variante der rechnerischen 5,3 % auf den Netto-Einsatz – der Mechanismus dahinter ist derselbe.
Sportwetten
NetX Betting Limited, Whitelist seit 19.11.2020, Folgeerlaubnis 16.12.2022. Als Zahlungsmethoden führt der Anbieter Kundenkarte, PayPal, Sofortüberweisung (Trustly), Kreditkarte (Visa/Mastercard), Banküberweisung, Skrill und Aircash – alle ohne Gebühr, alle sofort, Mindestbetrag 10,00 € bei Trustly, Skrill und Aircash. Einzahlungen über Dritte sind nicht gestattet – konsequent, weil das GlüStV Zahlungen nur vom eigenen Konto erlaubt.
bwin
bwin (Deutschland) Limited, Gzira, Malta. Whitelist seit 09.10.2020, Folgeerlaubnis 23.12.2022. bwin gehört zu den bekanntesten Marken im deutschen Markt; die Lizenz ist eine der ersten aus der Welle vor dem GlüStV-Start.
Wie Anbieter die Steuer umlegen: vier Modelle in der Praxis
Die Tabelle zeigt, wer eine Erlaubnis hat. Wie die Erlaubnisinhaber die Steuer handhaben, steht in deren Wettregeln – und die Bewegung im Markt ist größer, als die Werbung suggeriert.
Selbst tragen – ohne sichtbaren Abzug
ODDSET gibt an, weder Einsatz noch Gewinn mit einem Steuerabzug zu belegen; Gewinne würden auf den kompletten Einsatz ohne jeden Abzug ausbezahlt. Winamax wirbt auf der Website mit „0 % Wettsteuer und die besten Quoten“. Was Anbieter in dieser Kategorie gemeinsam haben: Sie schlucken die 5,3 % aus ihrer Marge, was sich in tendenziell knapperen Quoten niederschlagen kann – aber nicht muss. Wer „0 % Wettsteuer“ liest, fragt zurecht nach der Quote.
Quotenabschlag – 5,3 % von der Anzeige
Interwetten formuliert es in den AGB (Abschnitt G.8) so: Die Sportwettensteuer wird von Interwetten getragen; zum Ausgleich wird bei Wetten ein Quotenabschlag in Höhe von 5,3 % vorgenommen. Im Gewinnfall reduziert sich die Auszahlungsquote und damit der Wettgewinn um 5,3 %, ausgenommen Cash-Out-Gewinne; vom Einsatz wird nichts abgezogen. Bei Quoten unter 1,10 ist keine Einzelwette möglich – sie müssen als Kombi- oder Systemwette gespielt werden. Wer auf Interwetten wettet, sieht die reduzierte Quote im Wettschein und nicht den Steuerbetrag daneben.
Einsatz ausweisen – die 5,3 % als eigener Posten
Bei Wettarena fallen neben dem Wetteinsatz und der gesondert ausgewiesenen Steuer (5,3 % des Spieleinsatzes inklusive Steuer) keine weiteren Kosten an. Das ist die transparenteste Variante: Die Spielenden sehen den Betrag, den sie zahlen, und daneben den Betrag, den der Anbieter abführt. Betway zeigt die Steuer im abschließenden Prüfschritt des Wettscheins als eigenen Posten neben den ausgewählten Spielen und dem Wettsystem. Beide Varianten unterscheiden sich im Marketing, nicht in der Mechanik – der Einsatz erhöht sich, die Quote bleibt.
Gewinnabzug – 5 % vom Bruttogewinn
Sportingbet behält bei gewonnenen Wetten 5 % vom Bruttogewinn (Einsatz × Quote) ein. Der Einsatz bleibt unangetastet, der Gewinn schrumpft. Das ist die unfreundlichste Variante für die Spielenden: Wer gewinnt, sieht weniger als die Quote verspricht. Bei verlorenen Wetten fällt nichts an.
Rechenbeispiel: 100 € auf Quote 2,00 – vier Modelle im Vergleich
Die Sportwettensteuer berechnet sich auf eine ungewöhnliche Bemessungsgrundlage: 5,3 % des Spieleinsatzes ohne die Steuer selbst. Bei einem Einsatz von 100 € beträgt die Steuer 5,03 €, denn sie muss aus dem Einsatz herausgerechnet werden, bevor der Anbieter sie abführt (5,3 ÷ 105,3 × 100 ≈ 5,03 €). Wer „100 € Einsatz, Quote 2,00“ ansetzt – die fiktive Ausgangsquote vor jedem Abzug – sieht die vier Modelle so:
| Modell | Einsatz | Effektive Quote | Bruttogewinn | Auszahlung |
|---|---|---|---|---|
| Selbst getragen | 100,00 € | 2,00 | 100,00 € | 200,00 € |
| Quotenabschlag 5,3 % | 100,00 € | 1,89 | 89,40 € | 189,40 € |
| Gewinnabzug 5 % | 100,00 € | k. A. | 95,00 € | 195,00 € |
| Einsatz ausgewiesen | 105,03 € | 2,00 | 100,00 € | 200,00 € |
Die Modelle sind nicht gleichwertig – sie schneiden je nach Spielverhalten unterschiedlich ab. Wer viele kleine Wetten platziert, verliert beim Quotenabschlag-Modell überproportional, weil jeder Treffer die Reduktion mitnimmt. Wer wenige Wetten mit hohen Quoten spielt, sieht den Gewinnabzug stärker, weil er nur im Erfolgsfall greift. Das Einsatz-Ausweis-Modell ist rechnerisch neutral, sofern die Quote stabil bleibt – der Einsatz wird höher, die Auszahlung im Erfolgsfall ebenso. „0 % Wettsteuer“ ist nur beim Modell „Selbst getragen“ wirklich null – und selbst dort bezahlt der Anbieter sie, was sich an irgendeiner Stelle niederschlagen kann.
Werbeanzeigen mit „0 % Wettsteuer“: Was der Slogan verschweigt
Werbung mit „0 % Wettsteuer“ steht nicht im luftleeren Raum. Drei Dinge, die Anbieter mit dem Slogan typischerweise nicht sagen:
- Wer die 5,3 % tatsächlich trägt. „0 % Wettsteuer“ gilt für die Spielenden – nicht für den Anbieter. Die Marge, die der Anbieter mit der Wette macht, schrumpft; das tut der Quote, die der Anbieter anbietet, oder dem Spielraum, den der Anbieter bei Promotions hat.
- Welche Quote gerade steht. „Beste Quote“ und „0 % Wettsteuer“ sind getrennte Versprechen. Wer beides gleichzeitig bewirbt, verkauft dasselbe Produkt zweimal. Die Auszahlungsquote eines Marktes hängt von der Buchmachermarge ab, die unabhängig von der Steuerlogik existiert.
- Welche Wetten den Werbeversprechen nehmen. Livewetten, Kombiwetten, Cash-Out oder Systemwetten können unter andere Regeln fallen. ODDSET wirbt mit „fairen Wetten“, grenzt aber nicht ein, welche Wetten konkret gemeint sind. Wer auf den Wettschein schaut, sieht es.
Was die Werbung rechtlich darf: in Deutschland nur von Inhabern einer Erlaubnis (§ 5 Abs. 7 GlüStV). Werbeanzeigen für Sportwetten unterliegen im GlüStV keinem Zeitfenster wie für Slots, Online-Poker und Online-Casinospiele (06:00–21:00). Verboten sind Werbung für Wetten auf ein Ereignis unmittelbar vor oder während seiner Live-Übertragung auf demselben Kanal, Werbung mit aktiven Sportlerinnen oder Funktionären und Affiliate-Vergütung nach Umsatz, Einzahlung oder Einsatz.
Offshore-Anbieter ohne deutsche Erlaubnis: Warum sie „ohne Steuer“ werben dürfen – und warum es trotzdem teuer wird
Anbieter mit Sitz in Curaçao, Malta-oder-Anjouan ohne deutsche Erlaubnis bewerben Wetten ohne Wettsteuer, weil sie die deutsche Steuer nicht kennen – sie sind weder verpflichtet, sie abzuführen, noch in das LUGAS-Limitsystem oder OASIS eingebunden. Sie haben keine deutsche Erlaubnis und dürften in Deutschland keine Sportwetten anbieten (§ 4 Abs. 1 GlüStV).
Was diese Anbieter konkret nicht bieten:
- Keine OASIS-Sperre: Wer sich selbst aussperren will, hat auf einer Offshore-Seite keinen Mechanismus, der mit deutschen Sperren kommuniziert.
- Kein 1.000-€-Standardlimit: Die zentrale Limitdatei gilt nur für lizenzierte Anbieter.
- Keine vollständige Verifizierung mit eigener Kontoverbindung: Anonyme Zahlungsmittel sind dort oft zulässig.
- Keine deutsche Rechtsdurchsetzung: Streit um Gewinnauszahlung läuft nach dem Recht des Lizenzstaates, nicht nach deutschem.
Was die zivilrechtliche Seite angeht, ist die Lage unübersichtlich, aber nicht hoffnungslos: Der Bundesgerichtshof hat dem EuGH am 25. Juli 2024 (Az. I ZR 90/23) die Frage vorgelegt, ob die Dienstleistungsfreiheit einer Nichtigkeit von Sportwettenverträgen entgegensteht; im Verfahren fordert der Kläger von Tipico mehr als 3.700 € Verluste aus den Jahren 2013 bis 2018 zurück. Die Schlussanträge des EuGH-Generalanwalts Nicholas Emiliou vom 19. März 2026 (Rechtssache C-530/24, Tipico) halten es grundsätzlich für möglich, unlizenzierte Anbieter zur Rückzahlung verlorener Einsätze zu verpflichten – mit Ausnahme, wenn Behörden zugesichert haben, die Lizenzpflicht vorerst nicht durchzusetzen. Das ist kein Freibrief für die Spielenden und keine Garantie für Rückzahlung – aber ein Hinweis, dass die zivilrechtliche Tür nicht zugeschlagen ist.
Strafrechtlich ist die Lage zweischichtig: Wer in Deutschland ohne Erlaubnis Glücksspiel organisiert, macht sich nach § 284 StGB strafbar (bis zu zwei Jahre oder Geldstrafe), wer dafür wirbt nach § 284 ebenfalls. Die Teilnahme an unerlaubtem Glücksspiel ist nach § 285 StGB strafbar (bis zu sechs Monate oder Geldstrafe); in der Praxis werden Spielende in Deutschland dafür nicht verfolgt. Die GGL warnt vor illegalen Angeboten – zuletzt am 17. September 2026. Wer dort spielt, spielt auf eigenes Risiko: ohne deutsche Aufsicht, ohne deutsches Limit, ohne deutschen Schutz.
Werbe- und Bonusregeln: Was Anbieter dürfen und was sie nicht versprechen dürfen
Der GlüStV setzt keinen Bonusdeckel und keine Mindestquote für Werbeaktionen. Was Anbieter anbieten, steht in deren AGB. Drei Punkte, die in jeder Werbeaktion stehen sollten und oft nicht im Vordergrund stehen:
- Umsatzfaktor: Wie oft muss der Bonusbetrag (oder Bonus plus Einzahlung) zu einer Mindestquote umgesetzt werden, bevor eine Auszahlung möglich ist?
- Mindestquote: Welche Quoten zählen für den Umsatz? Kombiwetten mit Mindestquote 1,50 sind Standard; Quoten unter 1,20 zählen oft nicht.
- Frist: Wie viele Tage hat der Spielende, um die Bedingungen zu erfüllen? 30, 60 oder 90 Tage sind üblich.
Werbeanzeigen für Sportwetten unterliegen keinen zeitlichen Werbebeschränkungen wie für andere Glücksspielformen, müssen aber von einem Erlaubnisinhaber kommen. Werbung, die gegen § 5 GlüStV verstößt, kann von der GGL untersagt werden.
Was die Whitelist über einen Anbieter verrät – und was nicht
Die Whitelist vom 2. Oktober 2026 führt 30 Einträge. Was sie zeigt:
- Domain und Inhaber der Erlaubnis.
- Datum der Erteilung und Folgeerlaubnisse.
- Art der Erlaubnis – Sportwetten, virtuelle Automatenspiele, Online-Casinospiele, Online-Poker, Pferdewetten.
Was sie nicht zeigt:
- Steuerlogik. Ob der Anbieter die Steuer selbst trägt, vom Gewinn abzieht oder beim Einsatz ausweist, steht in den Wettregeln.
- Aktuelle Quote. Die Auszahlungsquote eines Marktes hängt von der Buchmachermarge ab, nicht von der Lizenz.
- Bonusaktionen. Promotionen sind AGB-Sache, nicht Whitelist-Sache.
- Enddatum. Die Whitelist nennt nur das Datum der Erteilung; eine laufende Erlaubnis hat kein auf der Liste erkennbares Ende.
Eine Erlaubnis sagt: Der Anbieter darf in Deutschland Sportwetten anbieten, unterliegt der GGL-Aufsicht, ist an OASIS und LUGAS angeschlossen und nimmt nur Zahlungen vom eigenen Konto entgegen. Eine Erlaubnis ist kein Qualitätsurteil über Quoten, Promotions oder Service.
Was Spielerinnen und Spieler tun können, bevor sie einzahlen
Wer in Deutschland 2026 einen Anbieter wählt, kann drei Dinge prüfen:
- Whitelist-Abgleich. Ist die Domain auf der Whitelist der GGL? Die Liste ist online einsehbar und wird wöchentlich aktualisiert. Eine.de-Domain allein reicht nicht – entscheidend ist der Eintrag auf der Whitelist.
- Wettregeln zur Steuer. Welche der vier Varianten wendet der Anbieter an? Selbst getragen, Quotenabschlag, Gewinnabzug oder Einsatz-Ausweis? Wer die Stelle in den Wettregeln oder AGB findet, hat die Antwort.
- Bonus-Umsatzbedingungen. Welcher Umsatzfaktor, welche Mindestquote, welche Frist? Wer hier nicht liest, sieht die Auszahlung später nicht.
Was die Wahl nicht löst: das Verlustrisiko. Wer wirbt „0 % Wettsteuer“, wirbt gegen ein Kostenargument, nicht gegen ein Sicherheitsversprechen. Wer auf sein Budget achtet, gewinnt mehr als mit der Wahl zwischen 5,03 und 5,30 %.
Häufige Fragen zur Wettsteuer in Deutschland
Wie hoch ist die Sportwettensteuer in Deutschland, und auf welche Bezugsgröße wird sie berechnet?
Die Sportwettensteuer beträgt 5,3 %, berechnet auf den Spieleinsatz ohne die Steuer selbst. Das sind rund 5,03 % des Betrags, den die Spielenden tatsächlich einzahlen, weil die Steuer aus dem Einsatz herausgerechnet wird (5,3 ÷ 105,3). Der Anbieter führt sie an das Finanzamt ab, nicht die Spielenden.
Wer schuldet die Sportwettensteuer, der Anbieter oder die Spielenden?
Die Steuer schuldet der Veranstalter der Wette – der Wettanbieter (§ 19 RennwLottG). Die Spielenden zahlen sie nicht direkt; sie zahlen sie nur dann, wenn der Anbieter sie an sie weitergibt. Das kann über die Quote, den Gewinn oder den Einsatz geschehen – oder gar nicht, wenn der Anbieter sie selbst trägt.
Was bedeutet Werbung mit „0 % Wettsteuer“ für Quote und Auszahlung?
„0 % Wettsteuer“ bedeutet, dass der Anbieter die Steuer nicht an die Spielenden weitergibt. Was davon aus dem Angebot bezahlt wird, ist offen: eine knappere Quote, eine kleinere Bonushöhe, ein anderer Promotions-Mix. Wer „0 % Wettsteuer“ liest, sollte die effektive Auszahlungsquote des Marktes vergleichen, nicht den Werbeversprechen.
Wie wird ein Gewinn berechnet, wenn der Anbieter einen Quotenabschlag von 5,3 % vornimmt?
Bei einem Quotenabschlag von 5,3 % wird die angezeigte Quote mit 0,947 multipliziert. Bei einer Ausgangsquote von 2,00 wird daraus 1,89. Bei 100 € Einsatz und einem Treffer ist die Auszahlung 189,40 €. Der Einsatz bleibt unverändert; die Reduktion trifft nur den Gewinn.
Warum bieten Seiten ohne deutsche Erlaubnis Wetten ohne Steuer an, und was fehlt dort?
Seiten ohne deutsche Erlaubnis haben in Deutschland keine Verpflichtung, die Wettsteuer abzuführen, weil sie keine deutsche Erlaubnis haben. Was dort fehlt: der Anschluss an OASIS und LUGAS, das 1.000-€-Standardlimit, die Verifizierung mit eigenem Konto, die deutsche Aufsicht durch die GGL und die deutsche Rechtsdurchsetzung im Streitfall. Wer dort spielt, spielt ohne deutsches Sicherheitsnetz.
Seit wann wird die Sportwettensteuer in Deutschland erhoben?
Die Sportwettensteuer wird in Deutschland seit dem 1. Juli 2012 erhoben. Die Einnahmen lagen 2013 bei 189 Millionen Euro und 2023 bei 409 Millionen Euro, was einem Plus von 116,8 % gegenüber zehn Jahren zuvor entspricht.
Seit wann gibt es die Sportwettensteuer überhaupt?
Die Erhebung startete am 1. Juli 2012. Die Einnahmen entwickelten sich schnell: 2013 lagen sie bei 189 Millionen Euro, 2023 bei 409 Millionen Euro – ein Plus von 116,8 % binnen zehn Jahren, mit einem Rückgang von 5,2 % gegenüber 2022. Gemessen am Gesamtmarkt der Glücksspielsteuern (2023: rund 2,48 Milliarden Euro) ist die Wettsteuer ein kleiner Posten, aber einer mit politischer Symbolik.
Wo wird kontrolliert?
Die Erlaubnis, in Deutschland Sportwetten im Internet zu veranstalten oder zu vermitteln, vergibt seit 1. Juli 2021 die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) in Halle an der Saale. Die bundesweite Erlaubnis nach § 9a Abs. 1 Nr. 3 und § 27f Abs. 1 GlüStV wird im Internet auf einer Whitelist geführt – ohne Listung kein legales Angebot. Die Liste vom 2. Oktober 2026 weist 30 Einträge aus: 27 Inhaber mit Sportwetten-Erlaubnis, zwei davon zusätzlich mit Pferdewetten, drei weitere ausschließlich für Pferdewetten. Jede gelistete Domain ist eine.de-Domain – aber nicht jede.de-Domain steht auf der Liste.
Was darf überhaupt gewettet werden?
Festquotenwetten auf den Ausgang eines Ereignisses, eines Abschnitts oder eines Vorkommnisses im Ereignis, einzeln oder kombiniert. Livewetten nur auf das Endergebnis oder das nächste Tor, den nächsten Satz oder vergleichbare Komponenten in Sportarten, in denen solche Ereignisse selten sind. Nächstes Tor im Fußball ja; nächster Punkt im Tennis nein; nächster Korb im Basketball nein. Wetten auf Ereignisse mit überwiegend Minderjährigen oder Amateuren (GGL-Praxis: Fußball unterhalb der 3. Liga zählt als Amateur), auf manipulationsanfällige Konstellationen und auf Regelverstöße oder deren Sanktionierung sind ausgeschlossen. E-Sports: keine Anerkennung als Sport, keine lizenzierten E-Sport-Wetten in Deutschland. Virtuelle Sportwetten: nicht etabliert. Cash Out: keine gesetzliche Regelung gefunden, ein Feature jedes einzelnen Anbieters.
Lizenz – wettauszahlung
Inhalt erstellt vom Team «wettauszahlung»
